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Straight P – D.O.G

06. August 2012 – HipHop | Reggae

Verfasser: Marco

 

Deutschrap geht es gut. Das beweisen nicht nur steigende Verkaufszahlen, sondern auch die Qualität der eingesandten CD’s welche sich Woche für Woche auf unserem Redaktionstisch stapeln. Klar ist immernoch eine Menge unzumutbarer Mist dabei, aber die Anzahl der Lichtblicke steigt. Grund genug wie wir finden euch einen dieser qualitativ höherwertigen Rappern mal vorzustellen. Sein Name ist Straight P. und sein Album D.O.G (Deep ohne Grund) sticht aus der Masse hervor.
Eins muss man dem Kölner Rapper Straight P. schonmal lassen. Er weiß wie man eine Platte aufbaut. Während viele CD’s schon nach den ersten vier bis fünf Tracks per Eject Taste in den Müll befördert werden, lässt sich D.O.G entspannt weiter hören. Durchgehend deepe Lyrics sind jetzt vielleicht nichts für den eingefleischten Battle-Rap-Hörer, halten jedoch dem Albumtitel „Deep ohne Grund“ die treue. Ganz nach dem Ganstarr Member Guru Motto „es kommt nur auf die Stimme an“, profiliert sich der selbsternannte Kölner Fels vor allem durch seinen Klang. Keine ätzenden oder nervigen Stimmlagen, sondern eine ruhiger klarer Klang, welcher trotzdem auf rasanten Beats zu Geltung kommt, zeichnen diesen Künstler aus. Man kann sich D.O.G somit entspannt im Ganzen anhören ohne dabei gelangweilt oder genervt zu werden. Natürlich wünscht man sich vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Druck oder Aggressivität, andererseits würde das auch nicht zum Albumthema und auch irgendwie nicht zum Künstler selbst passen.
Die Beats von IVE75, Nikki Louder und infamous Beatz sind rund und fett und J-Walk hat die ganze Platte definitiv sehr sauber gemischt. Der Aussage im Pressetext können wir demnach nur zustimmen. Es ist ein „emotionales und ehrliches Album“ welches sich hören lohnt. Vertrieben wird das Kölner Rap Stück über Groove Attack und ist über die offizielle Seite des Künstlers zu erhalten. In diesem Sinne senden wir schöne Grüße raus nach Köln und empfehlen unsern Hip Hop Fans bei Straight P. in Zukunft mal auf Play zu drücken!
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Review zum Album D.O.G. von laut.de

(zum Artikel auf laut.de)

laut.de-Kritik

Es geht um Skills und Vibes und Fleiß.

Review von Ich träum‘ davon, es würde wirklich nach Fakten entschieden, müsst‘ nicht ständig die Platte verschieben, um was zu verdienen.“ Verschoben hat Straight P sein Debüt wirklich lange genug. Die erste Single „Shootfight“ stammt bereits aus dem Jahr 2010. Angekündigt hatte Kölns rappender Fels seinen Erstling damals schon eine gefühlte Ewigkeit lang.

Gut Ding braucht manchmal eben tatsächlich Weile – obwohl wohl eher Sachzwänge und widrige Umstände als akribische Soundtüftelei daran die Schuld tragen, dass „D.O.G. – Deep Ohne Grund“ gar so ausgiebig auf sich warten ließ.

Bei einer derart ausgedehnten Produktionsphase ergibt es sich beinahe zwangsläufig, dass Tracks aus verschiedenen Jahren – und damit stark unterschiedlicher Reifegrade – nebeneinander zu stehen kommen. So versucht „Ich Hustle Lieber„, eine kleinkriminelle Lebensweise als eine Art Rebellion gegen „das System“ zu verkaufen: eine Sichtweise, der Straight P aber eigentlich längst entwachsen zu sein scheint.

Im Vorfeld zeigte er sich nämlich durchaus als ein reflektierter Beobachter, dem sein „Eigener Kurs“ – will meinen: inhaltliche wie musikalische Eigenständigkeit – über alles geht. Straight P kennt die Macht der Worte. „Hört ihr diese Stimme? Ich mach‘ sie zum Säbel„, zur einzig legitimen Waffe, um seine Differenzen auszufechten. Er lässt „Blut“ in Strömen fließen, bleibt dabei jedoch deutlich auf einer metaphorischen Ebene.

Seinen Unmut tut er dabei unverblümt kund. Allerdings verzichtet er darauf, seine Gegner beim Namen zu nennen. In seinen Rundumschlägen gegen passives, missgünstiges, destruktives Duckmäusertum dürften sich die Adressaten, allesamt „Aus Einer Anderen Welt„, aber getrost angesprochen fühlen, auch ohne explizit aufgerufen worden zu sein.

Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Tatkraft und Zielstrebigkeit heißen die Tugenden, für die Straight P wieder und wieder einsteht. „Es geht um Skills und Vibes und Fleiß.“ Träumen ist dabei erlaubt, einer Utopie nachzurennen: allemal besser als sich aufzugeben. „Ich hab‘ es längst begriffen: Die Sterne sind zum Greifen da.“ Für alle, die sich – aus welchen Gründen auch immer – verbiegen, hat er dagegen nur ein müdes Lächeln übrig.

Dazu droppt Straight P die eine oder andere persönliche Anekdote – wie die „Krankenhaus-Story“ – oder gibt zweifellos erlebte Details aus seiner Familiengeschichte preis, wie in „Mama Said„. Mit „9 Jahre“ beweist er zudem, dass bei der Abrechnung mit der Verflossenen durchaus etwas auf der Habenseite übrig bleiben kann. Statt im Beleidigte-Leberwurst-Stil ohne Rücksicht auf Verluste Dreckwäsche an die Öffentlichkeit zu ziehen, demonstriert Straight P Achtung: eine willkommene Abwechslung.

Dabei wirkt er so viel männlicher als die Heerscharen anderer kleiner Jungs, die bockig ihren Spielkameraden in den Matsch schubsen, sobald er sich nicht mehr mit ihnen und ihren Launen abgeben mag.

Ideen und Haltung stimmen, bei der Ausarbeitung bleibt jedoch Luft nach oben. Eine „Story“, die diese Bezeichnung wirklich verdient, steckt nicht in der „Krankenhaus-Story“. Die eine oder andere Hookline dürfte – wie in „Es Stinkt“ oder der ansonsten beeindruckend plastisch geschilderten Kampfsport-Hymne „Shootfight“ – gerne ein bisschen weniger platt ausfallen.

Gesungene Refrains, wie sie Camany gleich zweimal beisteuert, bleiben einfach Geschmacksache. Immerhin agiert der Mann nicht halb so überkandidelt wie viele seiner Sangesbrüder. „Das hier ist der lockere Standard„, behauptet Straight P indes gut gelaunt. Probleme, technisch auch auf gehobenem Niveau mitzuspielen, hat er keine.

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Produzenten baut ihm die Bühnen. An manchen Stellen passt einfach alles. Etwa, wenn aus dem Hintergrund von „9 Jahre“ ein Sample aus „Stay“ von Shakespears Sister schreit oder Mo Peacock in „Der Moment“ mit einem Hauch von Mittelalter den Beweis führt, dass ein Klavier keineswegs immer nur melancholisch-bedröppelt daher kommen muss.

In anderen Momenten („Eigener Kurs„, „Blut„) geraten mir die Beats allerdings viel zu sachte: „Dieses Album zielt nach innen wie ein Tritt in die Eier.“ Na, dann muss es auch ordentlich Wumms auffahren, bitteschön!