Archiv für den Monat: September 2012

Review zum Album D.O.G. von Generation One

zum Artikel auf generation-one.de

Straight P – Deep ohne Grund

Music Rap – HipHop
Mittwoch, den 05. September 2012 um 06:05 Uhr

Grundlos tiefgründiger Rap mit viel Herzblut.

cd-straightp

Review | Kritik | Bewertung
Straight P – Deep ohne Grund (2012)

D.O.G. - Deep ohne Grund - Straight PBewertung: 3,5 von 6
Label: Shine Str8 Rec.
www.straightp.de

Seitdem der Kölner Straight P im Jahre 2010 seine Single Shootfight released hat, warten seine Fans auf ein Solodebüt. Als Emcee betätigt sich der 34-Jährige allerdings schon weitaus länger. Bereits im Jugendalter rappte er in seiner eigenen Crew, richtig ernst wird es dann Anfang der 2000er, als er sich entscheidet anstatt auf Englisch in deutscher Sprache zu rappen. In der Kölner Szene macht er sich spätestens nach Kollaborationen mit dem Entourage-Umfeld einen Namen. 2008 veröffentlicht er dann erstmals ein offizielles Projekt: Das Mixtape Plan P beinhaltet Tracks, die Straight P in den vorherigen acht Jahren aufgenommen, aber nie herausgebracht hat. Weitere vier Jahre später folgt nun endlich sein Solodebüt D.O.G. – Deep ohne Grund.
„Begreif es ist Straight P, ich fahr mein‘ eigenen Kurs / vergleicht Eure Plastikfassaden nicht mit `ner eiseren Burg / Ich bin schon durch Scheiße geschwommen, hab viel Scheiße geschluckt / doch jetzt geht’s nach oben und die Reise wird kurz!“ (aus dem Track Eigener Kurs). Straight P hofft nach Jahren des Hustlens nun endlich ein positiveres Lebenskapitel einläuten zu können. D.O.G. – Deep ohne Grund, der Name ist Programm. Musikalische Eigenständigkeit und Authentizität gehen dem Kölner über alles. Tiefgängige Songs wie Mama Said oder Die Krankenhaus-Story sind dann nicht nur gut umgesetzt sondern auch brutal ehrlich.

act-straightpGerade ersterer Track ist eben kein 0815-Stück für die Mama, sondern die musikalisch umgesetzte Hochachtung vor der Frau, die trotz eines schlagenden Ehemanns immer zuerst an ihre Kinder dachte und erst dann an sich. Ein berührender Song! 9 Jahre lang beschreibt die Beziehung zu seiner Ex-Freundin und zur großen Überraschung vermeidet es Straight P sinnlose Hasstiraden zu spitten, vielmehr bedankt er sich sogar bei seiner Verflossenen für die gemeinsamen Jahre, das beweist Charakterstärke. Die musikalische Untermalung inklusive einem großartigen Klaviersample, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Ein wirklich hervorragender Song. Bereits vor zwei Jahren erschien die Leadsingle Shootfight. Lyrisch verwendet der Kölner hier viele Fachbegriffe aus dem Kampfsportbereich, was sehr interessant ist und es in dieser Form auch noch nicht zu hören gab. Der Sänger Camany liefert die einzigen Gastbeiträge der Platte ab.

Während Bullshit eher blass bleibt, weiß Wir kommen deutlich mehr zu gefallen und stellt einen der stärksten Tracks der Platte dar. Leider geht es nicht nur positiv weiter. Die deepen Songs sind fast alle sehr gelungen, bei den Battletracks / Representern kann man das nicht behaupten. Während Blut noch relativ eingängig aber ziemlich platt wirkt, ist Was sie wollen und vor allem Es stinkt ziemlich überflüssig. Ich hustle lieber sagt der Kölner auf dem gleichnamigen Track. Er sieht sich als Sprachrohr einer immer größer werdenden Schicht, die aufgrund von Geldproblemen und Alleinegelassen werden des Staates zu einem kriminellen Lebensstil getrieben werden. Auch dieser bedrohlich werdende Song, hätte nicht unbedingt auf die LP müssen, dann doch lieber Mein Ding, auf welchem 34-Jährige klarmacht, dass er seinen Weg weitergehen will und noch Großes vorhat („Denn mein Leben ist der Einsatz und der Himmel ist das Limit“).

redakteur-julian

Zusammenfassung Review | Kritik | Bewertung

Julian Dannenhauer ist der Meinung…
Hat sich das lange Warten auf Straight P’s Debütalbum nun gelohnt? Gerade die tiefgründigen Songs bleiben im Ohr und sind sehr gelungen, dazwischen gibt es dann aber einiges an Füllmaterial. In D.O.G. – Deep ohne Grund steckt zweifelsohne viel Herzblut, dass hört man beinahe sekündlich. Der Kölner wird seinen Weg gehen, darum muss man sich keine Sorgen machen. Zum großen Durchbruch wird diese LP trotz einer guten Vorstellung dennoch nicht reichen. Wer ehrlichen Rap gepaart mit einer soliden Technik mag, dem ist die Platte vorbehaltlos zu empfehlen.